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Hand interacting with a digital hologram of a cityscape
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Wie KI die Zukunft der Baubranche verändert

4 Minuten Lesezeit
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Hand interacting with a digital hologram of a cityscape

Zusammenfassung

Die Baubranche leidet unter Arbeitskräftemangel und kann ihre fragmentierten Daten kaum sinnvoll nutzen. Doch künstliche Intelligenz entwickelt sich über die einfache Automatisierung hinaus hin zu autonomen „Agenten“ weiter. Expert:innen von Trimble erläutern, wie diese Technologie tief verwurzelte Probleme lösen und die Rolle der Menschen verstärken kann, statt sie einfach zu ersetzen.

Es ist kein Geheimnis, dass viele von uns KI-Assistenten wie ChatGPT nutzen. Und viele glauben, dass dies erst der Anfang einer Revolution sei, die unsere Gesellschaft grundlegend verändern wird. Für die Baubranche birgt dieser Wandel immense Chancen, bringt aber auch kritische Fragen mit sich, meint Benedict Wallbank, Partnerships & Digital Construction Strategy Manager bei Trimble.

Derzeit wird in der Baubranche fast nur „schwache KI“ eingesetzt, die darauf trainiert ist, eine einzige Aufgabe zu erfüllen, oft besser und schneller als ein Mensch. Die Anwendungsfälle reichen von Chatbots bis hin zur Prozessautomatisierung. Doch es zeichnet sich ein noch grundlegenderer Wandel ab: Es entsteht künstliche Intelligenz mit autonomem, agentenähnlichem Verhalten, die in der Lage ist, mit weniger menschlichem Input Entscheidungen zu treffen und komplexe Aufgaben zu planen und auszuführen.

Die nächste Welle: Agentische KI und neue Geschäftsmodelle

Ein noch größerer Wandel steht bevor: Agentische KI. Im Gegensatz zur „schwachen KI“, die wir heute verwenden und bei der jeder Schritt von einem Menschen ausgelöst werden muss, kann die agentische KI mithilfe von Reasoning komplexe Arbeitsabläufe über verschiedene Softwaretools hinweg planen und ausführen. Auch wenn wir noch weit von einer künstlichen allgemeinen Intelligenz (Artificial General Intelligence, AGI) entfernt sind – also von einer KI, die dem menschlichen Intellekt bei jeder Aufgabe ebenbürtig ist –, kann heutige agentische KI dennoch bereits aus dem Kontext lernen und mehrstufige Projekte mit minimalem menschlichen Eingriff durchführen.

Jari Heino

Jari Heino, Vizepräsident und General Manager für BIM und Engineering, Trimble Finnland

Diese Entwicklung wird tiefgreifende wirtschaftliche Auswirkungen haben. Laut Jari Heino, Vice President und General Manager für BIM & Engineering bei Trimble in Finnland, könnte unser gesamtes Geschäftsmodell betroffen sein. „KI-Agenten werden irgendwann ein Stück weit selbstständig arbeiten, was eine ganz neue Welt eröffnet“, so Heino. „Welche unserer Aufgaben kann – und sollte – KI übernehmen?“

Die zentralen Herausforderungen in der Baubranche bewältigen

Das Interesse an KI in der Baubranche ist groß. Viele versuchen, praktischen Nutzen daraus zu ziehen. Ihr wahres Potenzial liegt aber nicht darin, Menschen zu ersetzen, sondern darin, die Aufgaben zu übernehmen, die Menschen sowieso nicht erledigen sollten.

Menschliches Potenzial anders einsetzen

Durch die Automatisierung von sich wiederholenden, eintönigen und gefährlichen Arbeiten gibt KI den Menschen mehr Zeit an die Hand, damit sie sich dringlicheren Herausforderungen widmen können. „Wir stehen vor einer doppelten Krise: Arbeitskräftemangel und Klimawandel“, so Heino. „Wir verschwenden unsere Zeit mit repetitiven Aufgaben, die automatisiert werden könnten.“ Künstliche Intelligenz gibt uns die Möglichkeit, unser intellektuelles Kapital auf die dringlichsten Herausforderungen lenken, anstatt es mit Routineaufgaben zu vergeuden. Das Ergebnis ist nicht nur mehr Effizienz – es ist ein grundlegender Wandel in dem, was Baufachleute erreichen können.“

Verborgene Daten nutzen

Eine der hartnäckigsten Herausforderungen der Branche sind die fragmentierten Daten: Eine Vielzahl proprietärer Formate führt dazu, dass Informationen nicht genutzt werden und bei jeder Projektübergabe Wert verloren geht. Standards sind zwar wichtig, aber alle dazu zu zwingen, auf die gleiche Weise zu arbeiten, ist keine praktikable Lösung. Stattdessen kann die KI Daten im Hintergrund organisieren, sodass sich an den unterschiedlichen Arbeitsmethoden nichts ändern muss, aber die Daten trotzdem überall zur Verfügung stehen.

Benedict Wallbank

Benedict Wallbank, Partnerships & Digital Construction Strategy Manager, Trimble

Benedict Wallbank, Non-Executive Director bei NIMA (ehemals UK BIM Alliance), erläutert dieses Potenzial: „Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich intensiv mit den Herausforderungen der Interoperabilität von Daten und der Frage, wie wir über den gesamten Anlagen-Lebenszyklus hinweg effizient an hochwertige Daten gelangen können. Bei NIMA drehen sich viele unserer aktuellen Gespräche darum, wie KI uns helfen kann, dieses Ziel zu erreichen. Ich persönlich glaube, dass agentische AI einen Großteil der Lösung ausmachen wird. Brauchen wir überhaupt noch Klassifizierungen und Standards? Ja, unbedingt, aber KI bietet das Potenzial, Daten zu identifizieren und zuzuordnen, die derzeit in Dokumenten, Zeichnungen, Modellen, Scans und Reality Capture verborgen sind.“

Brancheneigene KIs

Während die Welt allgemein große Fortschritte im KI-Bereich erlebt, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auch auf Speziallösungen, die die Sprache der Baubranche sprechen. Diese spezialisierten Tools sollen praktische Probleme lösen, Kontext verstehen und sich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren.

Bei Trimble ist die Nutzung von KI bereits weit verbreitet. Unsere Entwickler:innen setzen sie ein, um für die Prozessoptimierung das Schreiben von Code zu beschleunigen und unsere Produkte zu verbessern – von Entwurf und Modellierung bis hin zur Arbeit auf der Baustelle. Mit KI können Benutzer:innen 3D-Modelle anhand von Prompts überarbeiten, die Erstellung von Geometrie automatisieren und Modelle effizient klassifizieren. KI prüft die Konformität in BIM-Modellen, analysiert Änderungsaufträge, erkennt Straßenmängel und führt Energiesimulationen durch. Im praktischen Einsatz kann sie die Baustellensicherheit überwachen, indem sie auf Einhaltung der PSA-Vorschriften und Gefahrenzonen achtet und Scans mit Modellen vergleicht, um Abweichungen zu erkennen. KI hilft auch beim Suchen nach Inhalten, beim Erstellen von Materialien und beim Ausarbeiten von Entwürfen und bietet so umfassende Unterstützung für verschiedenste Bedürfnisse.

Die Zukunft sicher und verantwortungsvoll gestalten

Mit zunehmender Autonomie der KI gewinnen Fragen hinsichtlich Datenschutz, Verantwortlichkeit und Regulierung an Bedeutung. Die Ansätze zur Regulierung variieren je nach Land oder Region. Die EU verfolgt einen zentralisierten Ansatz und errichtet derzeit ein gemeinsames Aufsichts- und Durchsetzungssystem. Die USA haben sich, um Innovationen zu fördern, für einen weniger strengen Ansatz entschieden und überlassen die Regulierung den bestehenden Gesetzen und den einzelnen Bundesstaaten, während Großbritannien fünf Schlüsselprinzipien festgelegt hat, die sektorweise überwacht werden sollen.

Je mehr Aufgaben wir an autonome Systeme delegieren, desto wichtiger wird es, festzulegen, wann ein Mensch eingreifen muss. Heino merkt an: „Wir bauen Systeme auf Grundlage menschlicher Fehlbarkeit, erwarten aber von automatisierten Systemen nahezu Unfehlbarkeit.“ Dieser höhere Standard zeigt, dass es ein außerordentliches Maß an Zuverlässigkeit erfordert, Entscheidungen über Leben und Tod einer Technologie zu übertragen.“

Der KI-Geist ist aus der Flasche und verändert die Branche jeden Tag. Erfolgreich werden nicht unbedingt die Unternehmen sein, die ganz schnell jede neue Innovation umsetzen, sondern diejenigen, die tiefergehende Fragen stellen: Welche menschlichen Fähigkeiten sollten wir fördern? Wie können wir unser unersetzliches Urteilsvermögen bewahren, das wir als Menschen uns über Jahre in der Praxis erarbeitet haben? Diejenigen Unternehmen, die diesen Wandel mit strategischer Klarheit gestalten und gleichzeitig verstehen, dass die KI den Menschen dienen soll, anstatt sie und ihr Handwerk zu ersetzen, werden einen nachhaltigen Weg in die Zukunft ebnen.

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