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du auf dem Berg bist, hat die eigene Sicherheit oberste Priorität.”
Gildea weiß, wovon er spricht. Er hat acht Antarktis-Expeditionen mit 
Bergsteigern geleitet und dabei Trimble GPS-Technologie eingesetzt, 
um einige der höchsten Berge des Kontinents zu vermessen. Die 
von Gildea und seinen Mitstreitern erfassten hochgenauen Daten 
trugen zur Verbesserung der Karten und dem Kenntnisstand der 
abgelegenen Region bei.

Die Verlockung des Everest
Im Gegensatz zu den selten bestiegenen antarktischen Bergen 
wurde der Mt. Everest seit 1953 von mehr als 3.000 Kletterern erreicht. 
Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1922 sind allerdings 233 
Menschen beim Versuch der Besteigung umgekommen, und viele 
der Toten sind bis heute auf dem Berg. Sie dienen als schaurige 
Mahnung für diejenigen, welche danach trachten, den höchsten 
Gipfel der Welt zu erklimmen.

Jeder Aufstieg ist von Anfang an eine Herausforderung. Doch sobald 
die “Todeszone” über 8.000 m erreichen wird, steht Überleben im 
Vordergrund: die Temperaturen können unter –35º C fallen, starke 
Winde erhöhen das Risiko des Erfrierens und behindern die Sicht. 
Der knappe Sauerstoff in der dünnen Luft kann das Tempo spürbar 
bremsen: unter Umständen benötigt man bis zu 12 Stunden, um 
1,7 km zurückzulegen.

Neben Hunderten von Kletterern, die der Everest Jahr für Jahr anlockt, 
war und ist er auch Anziehungspunkt für zahlreiche wissenschaftliche 
und vermessungstechnische Expeditionen. Zwischen 1847 und 2005 
fanden mehr als 10 Vermessungen statt, wobei das dabei eingesetzte 
Instrumentarium von riesigen Theodoliten, die 240 km entfernt in 
Indien aufgebaut waren (1852), bis zu moderner GPS-Technologie 
(1999 und 2005) reicht. Nichtsdestotrotz ist die exakte Höhe des 
Gipfels noch immer umstritten.

Zu dieser Unsicherheit kommt hinzu, dass der Berg selbst noch 
in Bewegung ist. Als Teil einer tektonischen Dynamik infolge 
der anhaltenden Kollision der indischen mit der asiatischen 
Kontinentalplatte, hebt sich der Everest nach Aussagen von Dr. David 
Lageson, Professor für Geotektonik an der Montana State University 
(MSU), um jährlich etwa 0,76 cm und bewegt sich im gleichen 
Zeitraum um ca. 8 cm in nordöstlicher Richtung. Aber trotz der 
Kenntnis um die Wachstumsrate, sind die Details der geologischen 
Entwicklung des Everest, insbesondere zum Ursprung und zur 
Verformungsgeschichte der Gipfelpyramide, weiterhin unbekannt. 
“Das Gestein oberhalb von 6.000 m wurde bislang kaum untersucht. 
Das Gleiche gilt für die Entstehung der Störungszonen, die durch den 
Berg und den Gipfelbereich verlaufen.”

Also nahm Lageson das Angebot begeistert an, als er im März 2012 
die Gelegenheit erhielt, den Everest zu erkunden und Gesteinsproben 
zu sammeln.

Expedition für Bildung
Anlässlich des 50. Jahrestages der ersten Besteigung des Mt. Everest 
durch US-Amerikaner unterstützten The North Face gemeinsam 
mit National Geographic, der National Science Foundation und der 
MSU eine weitere Besteigung, die vom professionellen Alpinisten 
und Autor Conrad Anker geleitet wurde. Ziel der Expedition war 
außerdem das Abenteuer und Hintergrundwissen in den Schulalltag 
von 5-9.-Klässlern in Montana und anderen US-Bundesstaaten zu 
bringen – sie wurde deshalb auch als Everest Education Expedition 
(EEE) bezeichnet.

Lagesons Plan für die Expedition bestand darin, den Gipfel des 
Everest mit Trimble GNSS-Technologie erneut zu vermessen und 
auf den Weg vom Basislager zur Spitze Gesteinsproben für weitere 
Forschungen zu sammeln. Er leitete auch das EEE-Programm.

L: Stephen Chaplin und Camilo Rada am Basislager auf dem Patton-Gletscher in der antarktischen Sentinel-Kette. Von hier aus starteten Gildea und seine Mitstreiter 
zur Besteigung und Vermessung des Mt. Tyree (4.852 m), dem zweithöchsten Berg der Antarktis. R: Geologen von der Montana State University (MSU) befestigten 
die Antenne einer Trimble NetR9 GNSS-Basisstation am Dach eines Teehauses in Gorak Shep, dem letzten nepalesischem Dorf vor dem Everest-Basislager.  
Foto von Dave Lageson.