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kennzeichnet. Es impliziert zudem Dehnungsspannungen, die 
künftig zu mittleren bis starken Beben in der Region führen 
könnten. Forscher fanden heraus, dass die lokalen Verformungen 
zum derzeitigen Verständnis von Deformationen in solchen 
Regionen passen, in denen die seismische Aktivität wandert 
und die Deformationsrate sich über die Zeit verändert.

In der Region Garhwal Kumau, auf den Andamanen und 
Nikobaren, sowie in Nordostindien hat das CSIR-NGRI GNSS-Netze 
entlang der Plattenränder aufgebaut. Die im Golf von Bengalen 
ca. 1.400 km östlich von Chennai beginnende Inselgruppe der 
Andamanen und Nikobaren und das anschließende Sumatra 
haben seit dem verheerenden Erdbeben von 2004 mehr als 
fünf starke Beben (≥ 8) erlebt. Das CSIR-NGRI installierte auf den 
Inseln acht Trimble NetR9 GNSS-Empfänger als permanente 
Beobachtungsstationen. GNSS-Messungen während und nach 
den Erdbeben halfen den Seismologen, die Plattenkinematik 
und den Verformungsmechanismus über die verschiedenen 
Phasen des Erdbebenzyklus zu verstehen. Aus den Daten 
können die Wissenschaftler ungefähre Wiederkehrintervalle 
starker Erdbeben ableiten.

Kürzlich, am 11. April 2012, ereignete sich ein weiteres großes 
Erdbeben im Indischen Ozean. In Port Blair und Campbell Bay 
führte es zu koseismischen Bewegungen von 2-4 cm. Mit einer 
Stärke von 8,6 war es das größte je aufgezeichnete Beben mit 
Verschiebungen im Platteninnern. Laut Untersuchungen des 
US Geological Survey (USGS) könnten die dabei entstandenen 
seismischen Wellen weltweit Nachbeben ausgelöst haben.

Indien weitet seine GNSS-gestützten seismischen Unter-
suchungen aus. So arbeitet das CSIR-NGRI an der Errichtung 
einer neuen permanenten GNSS-Beobachtungsstation auf dem 
noch aktiven Vulkan Barren, ca. 150 km östlich von Port Blair im 
Andamanischen Meer. Die von dem dort installierten Trimble 
NetR9 Empfänger gelieferten Daten werden den indischen 
Forschern helfen zu verstehen, zu welchen Deformationen 
Vulkanausbrüche führen, und wie letztere mit der Tektonik 
des vorderen und hinteren Bogens der Sumatra-Andamanen 
Subduktionszone zusammenhängen.

Auf Grund der häufigen Erdbeben und Verformungen an den 
indischen Plattenrändern, führt das NGRI in den Gebieten entlang 
der Verwerfungszonen regelmäßige Messungen durch. Dort 
arbeitende Forscher müssen mit rauem Klima in zerklüftetem 
und schwer zugänglichem Gelände zurechtkommen. Die 
permanenten GNSS-Beobachtungsstationen sind besonders 
wichtig, da sie sowohl vor-seismische als auch koseismische 
Bewegungen erfassen können. Dies erfordert eine robuste 
und zuverlässige GNSS-Ausrüstung. Gleichzeitig sollte das 
System benutzerfreundlich sein. Die Mitarbeiter des NGRI 
entschieden sich für den Trimble NetR9 GNSS-Empfänger weil 
er sehr leistungsfähig ist und sich für schwierige Umgebungen 
und abgelegene Orte eignet. Das Institut ist sich der immensen 
Bedeutung von GNSS-Netzen bewusst und rechnet mit 
weltweit zunehmenden GNSS-Beobachtungsstationen für 
seismische und tektonische Untersuchungen.

Mittels GNSS erfasste Lageverschiebungen von mehr als 20 mm während 
des Erdbebens vom 11. April 2012 im Indischen Ozean

Geschwindigkeitsvektoren für bestimmte Orte werden aus GNSS-Daten 
abgeleitet. Die konstante Geschwindigkeit stützt die Theorie einer starren 
Platte.

Eine GNSS-Referenzstation in Port Blair überwacht Bewegungen auf einer der 
Andamanen Inseln.