-10- 

 Technik&mehr

V

or etwa 200 Millionen Jahren, als der Superkontinent 
Pangäa anfing auseinanderzubrechen, befand sich die 
Landmasse, die wir heute unter dem Namen Indien 

kennen, als große Insel vor der Küste Australiens. Die indische 
Kontinentalplatte begann sich mit einer Geschwindigkeit 
von 9 m pro Jahrhundert nordwärts zu bewegen und stieß 
dabei gegen die Eurasische Platte. Diese Kollision, seit der 
sich die Erdkruste auffaltet, markiert die Herausbildung des 
Himalaya-Gebirges. Noch heute bewegt sich die Indische 
Platte um etwa 5 cm pro Jahr in nordöstlicher Richtung unter 
die eurasische Platte und lässt damit das Himalaya-Gebirge 
weiter aufsteigen. Obwohl sich die relative Bewegung der 
Platten verlangsamt hat, bleibt Indien eine Region mit 
häufigen Erdbeben. Auf Grund der hohen Bevölkerungszahl 
und der Anfälligkeit für erdbeben- und tsunamibedingte 
Schäden hat Indien eine wichtige Rolle in der seismischen 
Forschung übernommen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Forscher 
bedeutende Fortschritte dabei gemacht, die Bewegungen 
der Indischen Platte zu verstehen: ihre Verformungen in sich 
selbst sowie die Konvergenz mit der Eurasischen Platte im 
Norden und der Sunda-Platte im Osten. Viele Fortschritte 
wurden dank Satellitennavigationssystemen und deren 
genaue Messergebnisse über große Gebiete gemacht. Zumeist 
bestand die konkrete Umsetzung aus einer Kombination 
von GNSS-Messkampagnen und kontinuierlich betriebenen 
Referenzstationen (Continuously Operating Reference Stations, 
CORS). Die GNSS-Messkampagnen dienten den Forschern 
zur Dokumentation von Verformungen in bestimmten 
Regionen. Gleichzeitig wurden mehrere permanente GNSS-

Stationen (CORS) eingerichtet, um Plattenbewegungen und 
Deformationen über Plattenränder hinweg zu erfassen. So 
stehen die Daten von etwa 100 permanenten GNSS-Stationen 
für Geodäten, Seismologen und andere Forscher online zur 
Verfügung. Sie werden vom Indian National Center for Ocean 
Information Services (INCOIS) archiviert und vertrieben.

In Hyderabad führt der Council of Scientific and Industrial 
Research – National Geophysical Research Institute of India 
(CSIR-NGRI) die Arbeiten an, die auf ein besseres Verständnis 
der Verformungen der Erdkruste abzielen. Im Rahmen dieser 
Bemühungen hat das Institut seine Aktivitäten zum Aufbau und 
zur Nutzung von GNSS-Netzen stark ausgeweitet, etwa durch 
die Auswertung der Daten von ca. 30 auf der Indischen Platte 
liegenden permanenten GNSS-Stationen. Sie deuten darauf 
hin, dass die Verformungen innerhalb der Indischen Platte sehr 
gering sind (<1-2 mm/Jahr). Damit verhält sich die gesamte 
Platte weitgehend wie ein starres Gebilde. Das CSIR-NGRI 
untersuchte die Verwerfungszone des Narmada-Son-Bruchs — 
der bekannteste tektonisch aktive Ort im Innern der Indischen 
Platte und die Hauptquelle von Erdbeben. Die Untersuchung 
ergab, dass dort — entgegen früheren Annahmen — offenbar 
keine Segmentierung der Indischen Platte stattfindet.

Die Verformungen in der Narmada-Son-Region und anderen 
Verwerfungszonen der Indischen Platte sind örtlich begrenzt. 
Studien in der vergleichbaren Region Godavari zeigten lokale 
Deformationen bis zu 3,3 ± 0,5 mm/Jahr. Es liegt nahe das die 
Verdichtungen an den Verwerfungen am südlichen Ende der 
GFR in Zusammenhang mit der häufigen, aber schwachen, 
seismischen Aktivität stehen, die die Region seit sechs Jahren 

Ein Land in Bewegung

Wissenschaftler in Indien nutzen GNSS zur Untersuchung der seismischen Aktivität im Land

Technik&mehr

Technik&mehr

technology&more

An einer GNSS-Beobachtungsstation im indischen Himalaya kommen eine Trimble Choke Ring-Antenne und ein Trimble NetR9 GNSS-Empfänger zum Einsatz.